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POLARLICHTER IN MITTELEUROPA


In der Nacht vom 06. auf den 07.04.2000 wurden viele Menschen in Mitteleuropa Zeugen eines gespenstischen Schauspiels: rote und grüne Lichtbögen wogten über den Himmel, das ganze Firmament schien im Flammen zu stehen. Bei Polizei und Feuerwehr klingelten die Telefone ununterbrochen, weil aufgeregte Anrufer einen Großbrand oder gar eine Atomkatastrophe melden wollten.
Ursache der Aufregung war ein gewaltiges Polarlicht, eine in unseren Breiten zumindest in diesem Ausmaß sehr seltene Himmelserscheinung. Was selten ist, kennt man in der Regel nicht, und was man nicht kennt, führt oft zu ängstlichen Reaktionen. Das war schon in früheren Jahrhunderten so, wie historische Berichte und Abbildungen belegen. Zuletzt hatten Polarlichter im Jahr 1989 in Mitteleuropa für Aufsehen gesorgt.

Traten die eindrucksvollen Himmelserscheinungen früher überaschend auf, so hätte man im Jahr 2000 dank der Überwachung des Geschehens auf der Sonne durch Satelliten und erdgebundene Stationen und dem raschen Informationsfluss via Internet vorgewarnt sein können. Doch es fehlte einfach eine entsprechende deutschsprachige Seite. Aber nicht mehr lange: der Arbeitskreis Meteore (AKM) richtete sowohl eine Polarlichtwarnseite als auch ein Polarlicht-Forum und eine Polarlicht-Warnliste ein. Als am 15./16.07.00 erneut grosse Polarlichter über Mitteleuropa erschienen, profitierten bereits einige Beobachter von den neuen Seiten. Schon bei den nächsten Polarlicht-Ereignissen im September und November 2000 waren die Seiten des AKM zu einer festen Institution geworden. Insgesamt wurde in Deutschland im Jahr 2000 in 6 Nächten Polarlicht beobachtet (Übersicht von Rainer Timm).

2001 war ein noch besseres Jahr für Polarlichter, war doch nun der Höhepunkt des aktuellen Sonnenflecken-Zyklus erreicht. Vor allem auch dank der Aktivitäten des Arbeitskreises Meteore wurden jetzt - wohl erstmals in der Geschichte der Astronomie! - auch schwächere oder nur fotografisch nachweisbare Polarlichter in Mitteleuropa systematisch registriert. Für insgesamt 19 Nächte liegen Meldungen vor (Übersicht von Rainer Timm). Besonders eindrucksvolle Erscheinungen gab es am 31.03./01.04.01, am 11./12.04.01, am 21./22.10.01, am 22./23.10.01 und am 05./06.11.01.

2002 mussten sich die Polarlichtfreunde bis zum 1. März gedulden, um ihre ersten Beobachtungen melden zu können; Im Spätsommer/Herbst gab es - insbesondere Anfang Oktober - mehrere Nächte mit Polarlicht, doch so richtig spektakuläre Auroras waren nicht dabei. Insgesamt gab es im Jahr 2002 in Deutschland 13 Nächte, in denen zumindest fotografisch Polarlichter wahrgenommen werden konnten (Übersicht von Thomas Sävert).

2003 war der Höhepunkt im Aktivitätszyklus der Sonne längst überschritten. Die systematische Beobachtung bestätigte die lang gehegte Vermutung, dass auch in Jahren mit geringerer Sonnenaktivität in Mitteleuropa Polarlichter auftreten können, denn bis zum 24.10.2003 lagen bereits für 8 Nächte Meldungen vor. Die meisten dieser Polarlichter waren sehr schwach ausgeprägt und nur für Spezialisten von Interesse. Doch die Nacht vom 29. auf den 30. Mai 2003 wartete mit den eindrucksvollsten Polarlichtern seit April 2000 auf. Das wurde aber Ende Oktober noch weit übertroffen. Auf der Sonne erschienen mehrere jupitergroße Flecken, von denen der mit der Nummer 486 binnen 2 Tagen zwei der gewaltigsten Masseauswürfe produzierte, die jemals beobachtet wurden. Beide waren genau erdgerichtet und in der Folge erlebte Mitteleuropa Polarlichter, die alles übertrafen, was man in unseren Breiten seit 1989 sehen konnte (Link- und Bildersammlung bei Thomas Sävert) .

Polarlicht in Bonn am 31.10.2003
Polarlicht in Bonn am 31.10.2003

3 Wochen später, am Abend des 20.11.03, gab es noch einmal ähnlich kräftige Polarlichter zu bewundern. Diesmal war es weniger die Stärke des vorangegangenen Masseauswurfs auf der Sonne, als vielmehr eine extrem günstige Ausrichtung des interplanetaren Magnetfeldes, der wir das Schauspiel zu verdanken hatten.

Dennoch: helle, große Polarlichter sind in Mitteleuropa sehr selten, 2004 und 2005 gab es nur jeweils ein wirklich nennenswertes Ereignis, 2006 und 2007 gar keins. Und dann muss in den fraglichen Nächten natürlich das Wetter noch mitspielen, und nicht jeder hat die Möglichkeit, sich Nacht für Nacht auf die Lauer zu legen - oft genug gab es in den vergangenen Jahren falschen Alarm. Wer bequem und mit hoher Wahrscheinlichkeit eindrucksvolle Polarlichter genießen möchte, kommt deshalb an einer Reise in nördliche Gefilde kaum vorbei.


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