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DAS POLARLICHT - EIN KIND DER SONNE
Scheinbar gleichmäßig spendet uns die Sonne jahraus und jahrein ihr Licht. Astronomische Beobachtungen haben aber längst gezeigt, daß sie alles andere als ein ruhiger Stern ist. Vielmehr gleicht sie einem brodelnden Kessel, der ab und zu Dampf abläßt. Etwa alle 11 Jahre tut sie das besonders heftig. Auf ihrer Oberfläche zeigen sich dann zahlreiche Sonnenflecken. Man spricht deshalb vom Sonnenfleckenzyklus. Auf der Sonnenoberfläche gibt es aber zu allen Zeiten heftige Eruptionen, die bei einer totalen Sonnenfinsternis als Protuberanzen sichtbar werden. Neben lichtschnellen Röntgenstrahlen werden dabei auch elektrisch geladene Partikel - Protonen und Elektronen - ausgestoßen, die von Magnetfeldern umgeben als Sonnenwind die Erde erst einige Tage nach einer Sonneneruption erreichen. Sie gelangen aber nun nicht einfach bis zur Erdoberfläche, sondern prallen auf das magnetische Feld, welches unseren Planeten umgibt. Das Magnetfeld wird unter dem Anprall der elektrisch geladenen Teilchen auf der der Sonne zugewandten Seite zusammengestaucht. Einige Partikel bewegen sich entlang der magnetischen Feldlinien zu den magnetischen Polen der Erde hin. Dabei dringen sie in die oberste, dünne Schicht der Erdatmosphäre, die Ionosphäre, ein, wo sie auf Gasmoleküle wie Sauerstoff oder Stickstoff prallen. Dadurch wird ihre Bewegungsenergie in Licht umgewandelt. Die Farbe des abgestrahlten Lichtes ist elementspezifisch. So strahlt z.B. Sauerstoff grünes, Stickstoff rotes Licht aus. Unzählige gleichzeitig stattfindende Kollisionen von elektrisch geladenen Partikeln des Sonnenwindes mit Gasatomen der Erdatmosphäre führen zu der großflächigen Leuchterscheinung, die wir als Polarlicht wahrnehmen.
Je höher die Sonnenaktivität und je heftiger folglich der Sonnenwind ist, desto mehr wird das Magnetfeld der Erde zusammengestaucht. Eine starke Deformierung bewirkt, daß die elektrisch geladenen Partikel den Magnetfeldlinien folgend bereits weit entfernt von den Magnetpolen Kontakt zur Erdatmosphäre bekommen. Deshalb ist um das Maximum des 11-jährigen Sonnenfleckenzyklus verstärkt mit Polarlichtern in niedrigen Breiten, z.B. auch in Mitteleuropa, zu rechnen. Aber auch in polnahen Gegenden treten sie dann häufiger und mit größerer Intensität in Erscheinung.
Wenn Sie das alles ausführlicher nachlesen möchten, folgen Sie bitte den nachstehenden Links: |
WO UND WANN SIND POLARLICHTER ZU SEHEN?Skandinavien (vor allem die nördlichen Teile), Nord-Schottland, Svalbard, Island, Grönland, Kanada, Alaska und Nordsibirien - das sind die Gebiete, wo normalerweise mit dem Auftreten von Polarlichtern zu rechnen ist. Vor allem in den Jahren um das Maximum der Sonnenaktivität kann man das Himmelsschauspiel auch weiter entfernt vom magnetischen Pol beobachten. In Deutschland ist dann durchaus mit 10 bis 20 Polarlichtnächten pro Jahr zu rechnen; allerdings handelt es sich überwiegend um schwache Erscheinungen, die vor allem in Norddeutschland zu sehen sind.
In den Gegenden rund um den magnetischen Pol treten Polarlichter sehr häufig, manchmal täglich, auf, besonders natürlich in Jahren mit erhöhter Sonnenaktivität. Die tatsächliche Sichtbarkeit hängt in erster Linie von der Jahreszeit ab. Nördlich des 60. Breitengrades endet zwischen Mitte April und Ende August die Dämmerung nicht. Auf Svalbard scheint gar 4 Monate die Mitternachtssonne. Die "Polarlichtsaison" beschränkt sich damit auf das Winterhalbjahr, wo dann nördlich des Polarkreises die Sonne wochen- oder monatelang nicht aufgeht. Nur um die Mittagszeit wird es für einige Stunden dämmrig. Trotzdem sind nicht etwa die ganz dunklen Monate November bis Februar, sondern September, Oktober und März (bis Anfang April) die beste Zeit für eine Polarlichtreise. Statistiken zeigen nämlich, daß dies die Monate mit der größten Polarlichthäufigkeit sind. Warum das so ist, wissen auch die Experten noch nicht so ganz genau.
1. Das Reiseziel sollte möglichst oft im Bereich des Polarlichtovals liegen. Ein ein-, besser zweiwöchiger Aufenthalt während der Monate Monate September, Oktober oder März im Nordosten Islands (Zielflughafen: Akureyri) oder im östlichen Lappland (Zielflughäfen: Rovaniemi, Kittilä, Sodankylä, Ivalo oder Kiruna) sollte folglich die besten Chancen bieten, Polarlichter zu sehen. |
POLARLICHTER IN MITTELEUROPA
In der Nacht vom 06. auf den 07.04.2000 wurden viele Menschen in Mitteleuropa Zeugen eines gespenstischen Schauspiels: rote und grüne Lichtbögen wogten über den Himmel, das ganze Firmament schien im Flammen zu stehen. Bei Polizei und Feuerwehr klingelten die Telefone ununterbrochen, weil aufgeregte Anrufer einen Großbrand oder gar eine Atomkatastrophe melden wollten. Traten die eindrucksvollen Himmelserscheinungen früher überaschend auf, so hätte man im Jahr 2000 dank der Überwachung des Geschehens auf der Sonne durch Satelliten und erdgebundene Stationen und dem raschen Informationsfluss via Internet vorgewarnt sein können. Doch es fehlte einfach eine entsprechende deutschsprachige Seite. Aber nicht mehr lange: der Arbeitskreis Meteore (AKM) richtete sowohl eine Polarlichtwarnseite als auch ein Polarlicht-Forum und eine Polarlicht-Warnliste ein. Als am 15./16.07.00 erneut eindrucksvolle Polarlichter über Mitteleuropa erschienen, profitierten bereits einige Beobachter von den neuen Seiten. Schon bei den nächsten Polarlicht-Ereignissen im September und November 2000 waren die Seiten des AKM zu einer festen Institution geworden. Insgesamt wurde in Deutschland im Jahr 2000 in 6 Nächten Polarlicht beobachtet. 2001 war ein noch besseres Jahr für Polarlichter, war doch nun der Höhepunkt des 23. Sonnenflecken-Zyklus erreicht. Vor allem auch dank der Aktivitäten des Arbeitskreises Meteore wurden jetzt - wohl erstmals in der Geschichte der Astronomie! - auch schwächere oder nur fotografisch nachweisbare Polarlichter in Mitteleuropa systematisch registriert. Für insgesamt 19 Nächte liegen Meldungen vor (Übersicht). Besonders eindrucksvolle Erscheinungen gab es am 31.03./01.04.01, am 11./12.04.01, am 21./22.10.01, am 22./23.10.01 und am 05./06.11.01. 2002 mussten sich die Polarlichtfreunde bis zum 1. März gedulden, um ihre ersten Beobachtungen melden zu können; Im Spätsommer/Herbst gab es - insbesondere Anfang Oktober - mehrere Nächte mit Polarlicht, doch so richtig spektakuläre Auroras waren nicht dabei. Insgesamt gab es im Jahr 2002 in Deutschland 13 Nächte, in denen zumindest fotografisch Polarlichter wahrgenommen werden konnten (Übersicht). 2003 war der Höhepunkt im Aktivitätszyklus der Sonne längst überschritten. Die systematische Beobachtung bestätigte die lang gehegte Vermutung, dass auch in Jahren mit geringerer Sonnenaktivität in Mitteleuropa Polarlichter auftreten können, denn bis zum 24.10.2003 lagen bereits für 8 Nächte Meldungen vor. Die meisten dieser Polarlichter (Übersicht) waren sehr schwach ausgeprägt und nur für Spezialisten von Interesse. Doch die Nacht vom 29. auf den 30. Mai 2003 wartete mit den eindrucksvollsten Polarlichtern seit April 2000 auf. Das wurde aber Ende Oktober noch weit übertroffen. Auf der Sonne erschienen mehrere jupitergroße Flecken, von denen der mit der Nummer 10486 binnen 2 Tagen zwei der gewaltigsten Masseauswürfe produzierte, die jemals beobachtet wurden. Beide waren genau erdgerichtet und in der Folge erlebte Mitteleuropa Polarlichter, die alles übertrafen, was man in unseren Breiten seit 1989 sehen konnte.
Polarlicht in Bonn am 31.10.2003
3 Wochen später, am Abend des 20.11.03, gab es noch einmal ähnlich kräftige Polarlichter zu bewundern. Diesmal war es weniger die Stärke des vorangegangenen Masseauswurfs auf der Sonne, als vielmehr eine extrem günstige Ausrichtung des interplanetaren Magnetfeldes, der wir das Schauspiel zu verdanken hatten. Dennoch: helle, große Polarlichter sind in Mitteleuropa sehr selten, 2004 und 2005 gab es nur jeweils ein wirklich nennenswertes Ereignis; die Jahre 2007 bis 2009 waren bei uns polarlichtfrei. Dann muss in den fraglichen Nächten natürlich das Wetter noch mitspielen, und nicht jeder hat die Möglichkeit, sich Nacht für Nacht auf die Lauer zu legen - oft genug gab es in den vergangenen Jahren falschen Alarm. Wer bequem und mit hoher Wahrscheinlichkeit eindrucksvolle Polarlichter genießen möchte, wird deshalb früher oder später eine Reise in nördliche Gefilde in Erwägung ziehen. |